Avodah Zarah 19

Kapitel 19

א שית שנין יתירתא סבור רבנן קמיה דרב' למימר האי שטר מאוחר הוא ניעכביה עד דמטיא זמניה ולא טריף אמר רב נחמן האי ספרא דוקנא כתביה והנך שית שנין דמלכו בעילם דאנן לא חשבינן להו הוא קחשיב ליה ובזמניה כתביה
1 der um sechs Jahre zuviel datiert war. Da wollten die Jünger vor Raba entscheiden, der Schuldschein sei [absichtlich] nachdatiert, und man lege ihn zurück, bis diese Zeit heranreicht, ohne währenddessen Exekutionskraft zu haben. Da sprach R. Naḥman: Dieser wurde von einem pedantischen Schreiber geschrieben; er rechnete die sechs Jahre mit, die [die Griechen] nur in E͑lam herrschten, die wir nicht mitrechnen; er ist also richtig datiert.
ב דתניא ר' יוסי אומר שש שנים מלכו בעילם ואח"כ פשטה מלכותן בכל העולם כולו:
2 Es wird nämlich gelehrt: R. Jose sagte: Sechs Jahre herrschten sie in E͑lam und nachher dehnten sie ihre Herrschaft über die ganze Welt aus.
ג מתקיף לה רב אחא בר יעקב ממאי דלמלכות יונים מנינן דלמא ליציאת מצרים מנינן ושבקיה לאלפא קמא ונקטיה אלפא בתרא והאי מאוחר הוא אמר רב נחמן בגולה אין מונין אלא למלכי יונים בלבד
3 R. Aḥa b. Ja͑qob wandte ein: Woher, daß wir nach der Ära der griechischen Herrschaft zählen, vielleicht zählen wir nach dem Auszuge aus Miçrajim, nur lassen wir das erste Jahrtausend fort und zählen nur die Jahre des zweiten Jahrtausends, somit ist dieser Schuldschein ein nachdatierter!? R. Naḥman erwiderte: In der Diaspora zählt man nur nach der Ära der griechischen Herrschaft.
ד הוא סבר דחויי קא מדחי ליה נפק דק ואשכח דתניא בגולה אין מונין אלא למלכי יונים בלבד
4 Jener glaubte anfangs, er wolle ihn nur abweisen, als er aber fortging, dachte er nach und fand folgende Lehre: In der Diaspora zählt man nur nach der Ära der griechischen Herrschaft.
ה אמר רבינא מתניתין נמי דיקא דתנן באחד בניסן ר"ה למלכים ולרגלים ואמרינן למלכים למאי הלכתא אמר רב חסדא לשטרות
5 Rabina sagte: Dies ist auch aus einer Mišna zu entnehmen, denn wir haben gelernt, der erste Nisan sei Jahresanfang der Könige und der Feste, und auf unsere Frage, in welcher Hinsicht dies von Bedeutung sei, erwiderte R. Ḥisda, hinsichtlich [der Datierung von] Urkunden.
ו ותנן באחד בתשרי ר"ה לשנים ולשמיטין ואמרינן לשנים למאי הלכתא ואמר רב חסדא לשטרות קשיא שטרות אהדדי
6 Ferner haben wir gelernt, am ersten Tišri beginne das Kalenderjahr und das Erlaßjahr, und auf unsere Frage, in welcher Hinsicht dies von Bedeutung sei, erwiderte R. Ḥisda, hinsichtlich [der Datierung von] Urkunden, und auf unseren Hinweis auf einen Widerspruch hinsichtlich [der Datierung von] Urkunden wurde erklärt,
ז ומשנינן כאן למלכי ישראל כאן למלכי עובדי כוכבים למלכי עובדי כוכבים מתשרי מנינן למלכי ישראל מניסן מנינן
7 das eine gelte von den jisraélitischen Königen und das andere gelte von Königen der weltlichen Völker; das Regierungsjahr der Könige der weltlichen Völker beginne mit Tišri, und das Regierungsjahr der jisraélitischen Könige beginne mit Nisan.
ח ואנן השתא מתשרי מנינן ואי ס"ד ליציאת מצרים מנינן מניסן בעינן למימני אלא לאו ש"מ למלכי יונים מנינן ש"מ:
8 Wir aber beginnen das Jahr mit Tišri, und wenn man sagen wollte, es sei nach der Ära des Auszuges aus Miçrajim zu zählen, so müßte man ja das Jahr mit Nisan beginnen; vielmehr ist hieraus zu schließen, daß wir nach der Ära der griechischen Herrschaft zählen. Schließe hieraus.
ט ויום גינוסיא של מלכיהם וכו': מאי ויום גינוסיא של מלכיהם אמר רב יהודה יום שמעמידין בו עובדי כוכבים את מלכם והתניא יום גינוסיא ויום שמעמידין בו את מלכם לא קשיא הא דידיה הא דבריה
9 D<small>ER</small> G<small>ENESJATAG IHRER</small> K<small>ÖNIGE &amp;C.</small> Was heißt Genesjatag? R. Jehuda erwiderte: Der Tag, an dem der König eingesetzt wurde. — Es wird ja aber gelehrt: der Genesjatag und der Tag, an dem der König eingesetzt wurde!? — Das ist kein Einwand; eines, an dem er selbst, und eines, an dem sein Sohn [eingesetzt wurde]. —
י ומי מוקמי מלכא בר מלכא והתני רב יוסף (עובדיה א, ב) הנה קטן נתתיך בגוים שאין מושיבין מלך בן מלך (עובדיה א, ב) בזוי אתה מאד שאין להן לא כתב ולא לשון אלא מאי יום גינוסיא יום הלידה
10 Wird denn der Sohn eines Königs zum Könige eingesetzt, R. Joseph lehrte ja: <i>Fürwahr, ich habe dich klein unter den Völkern gemacht</i>, sie setzen nicht den Sohn eines Königes zum Könige ein; <i>überaus verachtet bist du</i>, sie haben keine eigene Schrift und keine eigene Sprache!? — Vielmehr, unter Genesjatag ist der Geburtstag zu verstehen. —
יא והתניא יום גינוסיא ויום הלידה לא קשיא הא דידיה הא דבריה
11 Es wird ja aber gelehrt: der Genesjatag und der Geburtstag!? — Das ist kein Einwand; sein eigener Geburtstag und der seines Sohnes. —
יב והתניא יום גינוסיא שלו יום גינוסיא של בנו ויום הלידה שלו ויום הלידה של בנו אלא מאי יום גינוסיא יום שמעמידין בו מלכם ולא קשיא הא דידיה הא דבריה
12 Es wird ja aber gelehrt: sein Genesjatag, der Genesjatag seines Sohnes, sein Geburtstag und der Geburtstag seines Sohnes!? — Vielmehr, tatsächlich ist unter Genesjatag der Tag zu verstehen, an dem der König eingesetzt wurde, dennoch besteht hier kein Widerspruch; eines, an dem er selbst, und eines, an dem sein Sohn [eingesetzt wurde],
יג ואי קשיא לך דלא מוקמי מלכא בר מלכא ע"י שאלה מוקמי כגון אסוירוס בר אנטונינוס דמלך
13 wenn du aber einwendest, sie setzen ja nicht den Sohn eines Königs zum Könige ein, [so ist zu erwidern,] bei [vorheriger] Umfrage komme dies vor. Auf diese Weise wurde Severus, Sohn des Antoninus, zum Regenten eingesetzt.
יד א"ל אנטונינוס לרבי בעינא דימלוך אסוירוס ברי תחותי ותתעביד טבריא קלניא ואי אימא להו חדא עבדי תרי לא עבדי אייתי גברא ארכביה אחבריה ויהב ליה יונה לעילאי בידיה וא"ל לתתאה אימר לעילא דלמפרח מן ידיה יונה אמר שמע מינה הכי קאמר לי את בעי מינייהו דאסוירוס ברי ימלוך תחותי ואימא ליה לאסוירוס דתעביד טבריא קלניא
14 Antoninus sprach zu Rabbi: Ich wünsche, daß mein Sohn Severus an meiner Stelle die Regierung erhalte, und daß Tiberias [freie] Kolonie werde; wenn ich von ihnen eines verlange, so tun sie es, wenn aber beides, so tun sie es nicht. Da ließ er einen Mann kommen und setzte ihn auf die Schultern eines anderen; alsdann gab er dem oberen eine Taube in die Hand und sprach zum unteren: sage dem oberen, daß er die Taube aus seiner Hand fliegen lasse. Da sagte er sich: Wahrscheinlich will er mir folgendes sagen: verlange von ihnen, daß dein Sohn Severus an deiner Stelle die Regierung erhalte, sodann sage dem Severus, daß er Tiberias zu einer [freien] Kolonie mache.
טו א"ל מצערין לי חשובי [רומאי] מעייל ליה לגינא כל יומא עקר ליה פוגלא ממשרא קמיה אמר ש"מ הכי קאמר לי את קטול חד חד מינייהו ולא תתגרה בהו בכולהו
15 Einst sprach er zu ihm: Die Patrizier Roms ärgern mich. Da führte er ihn in einen Garten und zog in seiner Gegenwart jeden Tag einen Rettig aus einem Beete. Da sagte er sich: Wahrscheinlich will er mir folgendes sagen: töte sie einzeln, überwirf dich aber nicht mit allen zusammen. —